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AMP ist tot 🪦 Lang lebe AMP 👑

Ich bin absolut kein Fan von AMP. Im Websitesinn zumindest, als Kurzform für Verstärker im Musikbereich bin ich total dabei 😁 Aktuell geht es um nicht weniger als um die Zukunft der Google-Suche. Zeit also, um einen Blick auf AMP zu werfen!

# Was ist AMP?

AMP steht für “Accelerated Mobile Pages”. Dahinter versteckt sich eine Unterform von HTML, die Google im Herbst 2015 herausgebracht hat. Alles mit einem Ziel: Eine besonders schnelle, für Mobilgeräte optimierte Website zu erschaffen.

Klingt erstmal gut, oder? Im Kern auch keine schlechte Idee. Google erreicht die Geschwindigkeit durch die Beschränkung auf bestimmte AMP-Module. Statt Standard-HTML werden dabei die Möglichkeiten eingeschränkt und optimiert. Ein Bild existiert im AMP-Kosmos nicht als <img>-Tag, sondern als <amp-img>. Ein dazu passendes Schnipsel Javascript bestimmt anschließend beispielsweise, mit welcher Priorität das Bild geladen wird. Ist das Bild weiter unten im Seitenverlauf, wird es verzögert geladen. Es sei denn, die Datenverbindung ist supergut. Wenn allerdings das Endgerät nicht leistungsstark ist, dann wieder nicht.

Viele “Wenn”s und “Aber”s also. Gleichzeitig werden AMP-Seiten auf den Google-Server zwischengespeichert. Damit ist eine nahezu direkte Darstellung der Seite beim Aufruf durch die Google-Suche möglich.

# Warum mag ich kein AMP?

Durch die Einschränkungen lassen sich ausschließlich die von Google gebauten AMP-Module für den Bau einer Website nutzen. Das schränkt in der Gestaltung gewaltig ein. Aus meiner Sicht ist das auch für den Nutzer nicht immer optimal.

Nehmen wir mal das tolle Beispiel Cookie-Overlays. Auf normalen Websites kann ich mit Checkboxen anpassen, welcher Verwendung meiner Daten ich zustimmen möchte und welcher nicht. Auf AMP-Seiten muss ich das AMP-Consent-Modul nutzen. Und das kennt exakt zwei Zustände: Alles zulassen oder alles ablehnen. Adios zu Einstellmöglichkeiten.

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Meine private Website ist schneller als nahezu jede AMP-Seite. Sie kommt ohne zahlreiche Javascript-Schnipsel von Google aus. Und dass sie nicht auf Google-Servern gespeichert wird, empfinde ich als Vorteil - warum sollte ich Google die Kontrolle über meine Inhalte geben? Ich benutze extra eine datenschutzorientierte Variante von Google Analytics. Und Google? Tracken die meine Besucher, wenn die Seite schon von deren Servern kommt?

Die letzte Frage ist übrigens im Datenschutz immer noch umstritten. Darf AMP überhaupt ohne vorherige Einwilligung des Nutzers eingesetzt werden? Schließlich stammen die verwendeten Module von Google-Servern. Bisher war die Antwort meist: “Technisch notwendige Skripte sind in Ordnung”. Sind AMP-Seiten wirklich notwendig?

# AMP und SEO

Gerade für News-Seiten ging bisher dennoch kein Weg um AMP-Seiten herum - meist parallel zur “normalen” HTML-Website. Google priorisierte das selbstgeschaffene Konstrukt so extrem, dass beispielsweise für die News-Slider in der Suche ausschließlich AMP-Inhalte zugelassen wurden. Mit den Web Vitals öffnet Google jetzt allerdings die Schranken. Statt auf den technischen Aufbau, wird jetzt auf harte Kennzahlen geschaut. Und plötzlich steht fest: Eine unoptimierte AMP-Seite wird niemals Spitzenwerte erreichen. Welch Skandal 🤯

# Der Zwang stirbt. Die Technik auch?

Plötzlich soll es möglich sein, auch mit gut optimierten HTML-Seiten alle Fancy-Platzierungen der Google-Suche zu nutzen. Der Zwang zu AMP-Seiten ist weg. Und trotzdem werden wir noch einige Jahre auf AMP-Seiten stoßen. Um eine Seite wirklich schnell zu bekommen, muss die Seitenstruktur von Anfang an auf Ladegeschwindigkeiten optimiert werden. Im Nachhinein optimieren geht immer, klar - für wirklich gute Ergebnisse ist das aber ein riesiger Akt. Mit der Optimierung von Schriftarten und Bildern ist es nicht getan, alleine die Platzierung von Bildern hat gigantische Auswirkungen auf die spätere Performance. Diese Fokussierung fehlt in der Branche nahezu komplett. Besonders größere Seiten werden Probleme damit bekommen, ihre regulären Seiten für gute Web-Vital-Werte zu optimieren. Und damit weiterhin auf AMP setzen.

# Von Anfang an auf gute Performance pochen

Du planst einen Relaunch? Dann sprich von Anfang an das Thema Performance an. Prüfe während der gesamten Entwicklung immer wieder die Qualität dessen, was dir von der Entwicklungsabteilung oder der Agentur vorgelegt wird. Einen ersten Anhaltspunkt für einen schnellen Test bietet Page Speed Insights. URL eingeben, “Analysieren” klicken - schon hast du Tipps und Tricks zur Optimierung.